Gentest für die Schimmelfärbung 

Der Gentest für die Schimmelfärbung ist jetzt möglich

Die fortschreitende Schimmelfärbung wird beim Pferd international mit Gray bezeichnet. Die Erbanlage mit dominanter Genwirkung liegt auf dem Chromosom 25 des Pferdes. Seit 2008 gibt es einen Gentest, der alle G-Genträger schon im Fohlenalter sicher erkennt.

Erbanlage für Schimmelfärbung
Die Erbanlage -G- ist für das schnelle jugendliche Ergrauen der Pferdehaare verantwortlich. Der fortschreitende Pigmentverlust wird daher mit „fortschreitender Schimmelfärbung“ schon in der alten deutschen Pferdeliteratur sehr treffend bezeichnet. Bereits beim Fohlen beginnt das vorzeitige Ergrauen der Körperhaare, ganz charakteristisch am Kopf entlang der Augenbogen, was die Pferdezüchter dann auch mit „Schimmelbrille“ bezeichnen.


Arabisches Vollblutfohlen mit einer Schimmelbrille (Foto: v.d. Schulenburg)
Homozygote und heterozygote Schimmel
Immer muss ein Elternteil selbst Schimmel sein oder werden, damit unter den Nachkommen wieder Schimmel auftreten können.
Pferde mit zwei G-Erbanlagen, können nur aus der Verpaarung von Schimmeln untereinander entstehen. Sie geben an jeden Nachkommen eine G-Erbinformation weiter.
Solche homozygoten („reinerbigen“) Schimmelgenträger haben in Verpaarung mit allen Farbtypen stets nur Schimmelnachkommen. Äußerlich lässt sich nicht erkennen, ob ein Pferd zwei G-Erbinformationen trägt. Dies ist jetzt mit einem Test möglich, der 2008 an der schwedischen Universität Uppsala entwickelt wurde. Dieser Test erkennt sehr sicher, ob ein Pferd ein oder aber zwei G-Erbinformationen trägt. Einzelgenträger behalten meist lebenslang etwas Haarpigment, während die G-Doppelgenträger meist schon im Alter von sechs bis acht Jahren vollständig weiße, also pigmentfreie Haare haben, die Körperhaut bleibt dabei stets dunkel.

 Während des fortschreitenden Pigmentsverlusts finden sich zahlreiche Übergangsformen und Fellmuster, wie etwa beim „Apfelschimmel“, wo schon graue und noch pigmentiere Haarbezirke dann rundfömige Deckhaarbezirke ausbilden. Eine Besonderheit ist in manchen Rassen auch der „Fliegenschimmel“, bei dem winzige pigmentierte Bezirke häufig auch lebenslang erhalten bleiben.

 



Apfelschimmel beim Berber (Foto: vBWemken

G-Genträger entwickeln im Vergleich zu anderen Pferden in späteren Altersstufen häufiger Hautkrebs, etwa 75% aller G-Genträger zeigen so nach dem 15. Lebensjahr Melanome bevorzugt im Maul- und Analbereich auf, allerdings nur sehr selten mit tatsächlich nachteiligen Formen, wie eingehende Studien am Lipizzaner aufzeigen konnten. Homozygote mit der Grundfarbe Rappe sollen hiervon stets stärker betroffen sein.

Im Alter von 6-8 Jahren werden Schimmel zunehmend weiß (Foto: vBWemken)

Der Gentest für die veränderliche Schimmelfärbung wird heute von vielen Testinstituten angeboten. Schon wenige Haarwurzeln können alle G-Genträger bereits im Fohlenalter sehr sicher erkennen und auch Homozygote aufdecken.

Dr. Ines von Butler-Wemken