Auf Einladung des Präsidenten der Organisation der privaten Berberzüchter Marokkos (Association marocaine du cheval barbe et arabe-barbe AMCBAB) durfte ich diesmal als Vertreterin des VFZB an dieser jährlich wiederkehrenden Veranstaltung teilnehmen. Zum ersten Mal fand sie nicht auf dem Nationalgestüt in Bouznika statt, sondern auf einer sehr modernen 100 ha großen Reitanlage in Bouskoura statt.
Auf der Tagesordnung des 3-tägigen Programms standen ein Rundtischgespräch mit Mitliedern der OMCB-Verbände, Power-point Vorträge internationaler Fachleute, Vorführungen der working equitation sowie Richterbeurteilungen für Hengstanwärter und potentielle Zuchtstuten. Am Abend des 13.12. wurden wir positiv überrascht mit Vorführungen von Musikern und Tänzern der Amazigh. An diesem Abend wurden auch besondere Züchter mit einer kostbaren Pferdestaue geehrt.
Eingeladen waren aus ganz Marokko die Mitglieder der Züchtervereinigung, die auch in reichlicher Zahl zum Teil mit ihren Familien erschienen, sowie auch internationale Gäste. Neben spanischen Pferdezüchtern nahmen Mitglieder der OMCB -Verbände aus Tunesien (Dr. Mohammed Ezzaouia, Prof. Abdelhak Ben Younes), Frankreich (Marie Rabatel, Melissa Chevriou), der Schweiz (Delphine Biedermann) und Deutschland (ich) teil.
Für Marokko waren am 12.12.25 beim Rundtischgespräch dabei: der Präsident des OMCB Omar Skalli, der Präsident des AMCBAB Dr. Younes Jari und seine Vorstandsmitglieder Youssef Zaim Sassi und Youssef Ala, OMCB-Richter Dr. Mohammed Oussidhoum, sowie die Direktoren der Nationalgestüte in Bouznika (Isaam Touati), von Marrakech (Dr. Ossama ait Zati), El Jadida (Dr. Reda Abdessadki) und Oujda (Dr. Aziz Harrachi). Leider konnte kein Abgesandter aus Algerien dabei sein. Bei diesen wichtigen Gesprächen ging es vor allem um die Frage, was sich die Mitgliedsverbände für die Zukunft wünschen und welche Probleme es in den einzelnen Ländern gibt. Die Mitglieder machen sich vor allem Gedanken über die Zukunft des OMCB als übergeordnete funktionierende Organisation und stellten die Bedeutung einer sehr baldigen
Generalversammlung in den Vordergrund. Die Idee einer europäischen Geschäftsstelle wurde aufgebracht, jedoch gleichermaßen in Bezug auf Finanzierung und Personal als kritisch betrachtet. Ich erfragte die Wiederaufnahme der Tätigkeit der OMCB-Kommissionen sowie die Aufnahme von Libyen als Neu-Mitglied und wurde auf die Versammlung Anfang des Jahres 2026 verwiesen. Dr. Ezzaouia wird dazu als Vorsitzender der Kommission der Richter nach Tunis einladen. Ein Diskussionspunkt war die Harmonisierung der Eintragungskriterien, und so wurde im Anschluß der neu erstellte Richterbogen ausführlich von Prof. Ben Younes vorgestellt, nachdem Dr. Ezzaouia nochmals allgemein die Kriterien zur Bewertung des Berberpferdes erklärt hatte.
Am darauffolgenden Tag gab es zahlreiche Fachvorträge, unter anderem von Tierärzten der Universität Glasgow zur Fütterung des Berberpferdes, zu Übergewicht und zu Kolikproblematiken und von Omar Skalli zur Nutzung. Er stellte dar, dass mehr als 800 Berber und Araber-Berber in Marokko an Reitveranstaltungen teilnehmen, wie z.B. an Rallyes (230), Trec (50), Bodenarbeit (100) Reiten allgemein (180), working equitation (70), Freispringen (100) und Distanzreiten (50). Hervorzuheben sind hierbei die ausgezeichnete Organisation und technische Ausstattung, die ein Headset verbunden mit einem Französischdolmetscher einschloss, da die meisten Vorträge in Arabisch gehalten wurden zum besseren Verständnis der anwesenden Züchter. Am Nachmittag wurden junge Hengste für ihre Qualifikation als zukünftige Deckhengste von internationalen Richtergruppen beurteilt. 4 Richter berieten gemeinsam und nutzten dabei den neu eingeführten Richterbogen, der in Marokko schon vorher vielfach eingesetzt worden war. Zuerst wurden sofort die in einer Gruppe vorgeführten Hengste in 3 Qualitätskategorien eingeteilt. Erst danach wurde jeder Hengst in Einzelaufstellung beurteilt, in den allermeisten Fällen war der allererste Eindruck tatsächlich korrekt. Die Aufstellung erfolgte im Stehen vor dem Dreieck, Schritt und Trab um das Dreieck und in gerader Linie weg von der Richtergruppe. Die gleiche Prozedur erfolgte am nächsten Tag für die Stuten, nur waren diesmal mehrere Richtergruppen nötig für ca. 60 junge Stuten zwischen 2 und 5 Jahren. Jede Richtergruppe beurteilte ca. 20 Stuten in der gleichen Gruppe. Im Nachgang waren sich alle Richter einig, dass die Qualität der vorgestellten Pferde mittlerer Güte war. Oft waren eklatante Stellungsfehler der Hauptmangel.
Abschliessend möchte ich neben der Professionalität der Veranstaltung die hervorragende Gastfreundschaft und Großzügigkeit der marokkanischen Kollegen hervorheben, die diesen Austausch nicht nur ermöglichen, sondern sehr angenehm umrahmen.
Dr. Gea Olbricht
Ende November erhielt der VFZB e.V. die Einladung zu den nationalen Züchtertagen in Marokko vom Präsident des AMCBAB (Association Marocain du Cheval Barbe Arabe Barbe) Dr Younes Yari.
Diese Vereinigung besteht aus privaten Züchtern, Freunden und Reitern von Berber- und Araber-Berberpferden.
Nachdem Dr. Gea Olbricht den VFZB e.V. in 2019 vertreten hatte und erfolgreiche und interessante Kontakte knüpfen konnte, beschlossen Dr. Veronika Leichtfried, 1. Vorsitzende VFZB e.V. und Petra Jürgens OMCB Richterin VFZB e.V. der Einladung zu folgen und starteten am Donnerstag mit dem Nachtflug von Frankfurt nach Marokko.
Durch die komplizierte Abwicklung am Frankfurter Flughafen war der Flieger erst nach 23 Uhr fertig zum Start. Das bedeutete aber, dass wir nur mit Sondergenehmigung aufgrund des Nachtflugverbotes starten konnten. Wir erreichten Casablanca um 2.30 Uhr in der Nacht und mussten dort noch ein Stunde warten, bis der Fahrer des Shuttle uns endlich gefunden hatte und zum Hotel bringen konnte.
Um 4:30 Uhr morgens kamen wir im Hotel an und fielen gleich todmüde und hungrig in die Betten mit dem klaren Ziel, uns morgen auszuruhen. Aber weit gefehlt. Um 10 Uhr ging das Telefon, der Abholservice warte auf uns in der Halle. Wir konnten zum Glück noch eine Stunde Zeit und ein Frühstück rausschlagen. Und schon ging es ab zum Nationalgestüt Bouznika.
Im Dezember war Marokko wunderbar grün mit schönen Temperaturen um 20 Grad. Und es regnete, wofür alle dem Himmel dankten. Wir fuhren an der Küste entlang und konnten sehen wie brausig der Atlantik zu dieser Jahreszeit war. Entlang der Straße immer wieder das traditionelle Bild von freilaufenden Schafen, Eseln und Pferden. Angekommen im Haras Bouznika wurden wir von Dr. Malak Benamar, Leiterin des Nationalgestüts Bouznika begrüßt, die uns anlässlich unseres Europa Championats 2017 in Heidenrod TG Sperma von drei ausgezeichneten marokkanischen Berber- Hengsten gesandt hat. Inzwischen gibt es zwei schöne Berberstuten aus einer Anpaarung mit diesem TG Sperma. Frau Dr. Benamar versicherte uns, dass der VFZB jederzeit wieder -sollten unsere Züchter Interesse zeigen- TG Sperma von marokkanischen Hengsten beziehen kann.
Der Freitag war der Vorbereitung und Diskussion rund um das Berberpferd gewidmet. Mittags gab es die traditionelle Freitags-Tajine mit CousCous an einem großen runden Tisch.
Am Samstag begann der offizielle Teil mit Vorträgen, Fragen und Diskussionen.
Omar Skalli, Generaldirektor General der SOREC und Präsident der OMCB war der Schirmherr der Veranstaltung. Er begrüßte die Anwesenden und hielt zu Beginn eine Rede.
Das große Thema dieser Veranstaltung war unter anderem die Anwendung des Berberpferdes. Wozu eignet sich das Berberpferd? Traditionell bekannt ist das Berberpferd im Maghreb als Pferd der Tourida/Fantasia. Das ist in Marokko ein Kulturerbe und wird in Wettkämpfen im ganzen Land durchgeführt. Damit erreiche man aber nicht das große Publikum. Deshalb gäbe es seit Jahren Förderprogramme für die Anwendung des Berberpferdes. Die Ergebnisse wurden am Freitag vorgestellt.
Veronika Leichtfried war die erste Vortragende. Sie hatte einen sehr interessanten Vortrag ausgearbeitet, worin sie den VFZB in Zahlen und Fakten vorstellte. Angefangen 1992 mit einem Hengst, einer Stute und einem Fohlen bis zu den Zahlen des heutigen Zeitpunktes.
Weiter ging es mit der Y-Studie zum Berberpferd. Auch dazu ein kurzer Überblick mit interessanten Details und die Hoffnung auf weitere Forschung mit der Unterstützung der privaten Züchter.
Dann stellte Veronika Leichtfried unsere neue VFZB- Reitleistungsprüfung vor und war damit sehr nah am Thema Utilisastion/ Anwendung des Berberpferdes. Bärbel Heinrich hatte ein kleines Video zur neuen VFZB Reitleistungsprüfung zur Verfügung gestellt. Darin zu sehen ihre Berberstute Pashmina beim Bewältigen der neuen kombinierten Aufgabe, geritten von Steffi Frings.
Der Abschluss von Veronika Leichtfrieds Vortrag war der neue VFZB Imagefilm, extra für Marokko in französischer Sprache. Auch dies ein toller Beitrag zur Anwendung des Berberpferdes. Das Video wurde mit Begeisterung aufgenommen und wir wurden einige Male auf unser Video angesprochen.
Für Veronika war das eine kleine Feuertaufe, der Vortrag war auf Französisch und es war ihr Antrittsbesuch im Maghreb. Aber wie das so ist in der Berberfamilie, man wird mit offenen Herzen aufgenommen und ist sofort ein Teil der Gemeinschaft.
Es gab weitere lehrreiche Vorträge.
Für uns sehr interessant war der Vortrag eines jungen Springreiters, der Berber und Araberpferde bezüglich ihrer Eignung zum Springpferd ausbildet. Er war sehr begeistert vom Berberpferd von ihrer Intelligenz, ihrer Ruhe und ihres Springvermögens und sieht das Berberpferd ganz klar als Pferd für den jungen Springreiter.
Sehr erfolgreich auch das Programm zur Ralley Equestre. Das ist ein Wettkampf zu Pferd durch weite Landstriche Marokkos über mehrere Tage. Angefangen haben sie mit drei Veranstaltungen und sind 2022 bei 75 Veranstaltungen. Zu finden auf Facebook « Association Marocaine du Cheval Barbe et Arabe-Barbe « .
Ein weiteres Highlight war der Vortrag der Vertretung des Zuchtverbandes der Pura Raza Espagnole. Dieser große traditionelle Zuchtverband stellte sich vor, ihre Dienstleistung, ihre Qualitätsstandards und die Grundlagen der Beurteilung ihrer Pferde. Dieser Verband trägt im Jahr ca. 5500 Pferde ein und agiert weltweit. Alle Pässe werden in Spanien ausgestellt. Jeder Richter gehört zu einem Richtergremium aus unabhängigen Richtern, die jährlich intensiv geschult werden und weltweit richten. Sie stellen ihr Knowhow kostenlos zur Verfügung und überzeugten durch einen Vortrag der vor Begeisterung und Professionalität sprühte.
Der Sonntag stand ganz im Zeichen der jungen Berberstuten. 58 Berberstuten im Alter von 2 Jahren waren angemeldet.
Die jungen Berberstuten sollten in Hinblick auf ihre zukünftige Eignung als Zuchtstuten beurteilt werden.
Die Richterjury bestand aus fünf OMCB Richtern aus Marokko, Deutschland und Tunesien. Die Bewertung der jungen Berberstuten wurde von den Richtern gemeinsam erstellt. Doppelte Gewichtung gab es in der Typ Note und in der Bewegung. Beim Typ wurde sehr streng gerichtet. Die kleinste Abweichung vom OMCB Standard brachte einen Abzug oder sogar die Empfehlung die Stute nicht zu Zuchtzwecken zu nutzen. Große Aufmerksamkeit wurde auch auf das Fundament und die Gangkorrektheit gelegt.
Wir haben wunderschöne, rassetypische Berberstuten gesehen. Veronika Leichtfried und ich hätten sehr gern die eine oder andere Stute im Handgepäck mitgebracht.
Die Veranstaltung schloss mit einem großen, gemeinsamen, marokkanischen Festessen.
Der Heimflug gestaltete sich für Veronika Leichtfried wie der Hinflug. Sie musste eine weitere Nacht in Frankfurt bleiben, weil ihr Flug nach Innsbruck aufgrund von Nebel gecancelt wurde.
Ich schaffte es nur mit Mühe zu meinem Auto zu gelangen, in Frankfurt war überfrierende Nässe und es war spiegelglatt.
Aber wie sagen wir immer: „Alles im Dienste unserer Berberpferde“.
Es war eine inspirierende Reise. Wir lernten viele Gleichgesinnte kennen, alle erfasst vom Berbervirus. Es werden neue gemeinsame Wege erkundet und wir hoffen in diesem Jahr endlich wieder einen OMCB Richter aus Marokko begrüßen zu dürfen.
Eure Petra Jürgens